„Wenn andere schwächeln, müssen wir da sein“.

wei Wochen vor Saisonstart äußern sich die Coaches der Bundesligavolleyballer des TSV Unterhaching zu Hoffnungen und Erwartungen.        

Die Saisonvorbereitung ist in vollem Gange, Tests gegen Mühldorf, Hammelburg oder Grafing wurden bereits absolviert. Weitere Tests unter anderem gegen Herrsching oder Düren werden folgen. Die Coaches Patrick „Nano“ Steuerwald und Stanislav „Stan“ Pochop konnten also bereits erste Eindrücke sammeln.   

Herr Steuerwald, Herr Pochop, wie ist der erste Eindruck nach den Vorbereitungswochen?   
Steuerwald: „Wir haben eine junge, sehr hungrige Truppe beisammen. Die Jungs sind fleißig, motiviert und mit Spaß bei der Sache. Das ist die beste Ausgangslage für die Weiterentwicklung der Jungs. Das soll ja auch in erster Linie unser Saisonziel sein.“   

 Herr Pochop, was sind ihre Erwartungen an die kommende Spielzeit?   
 Pochop: „Ich freue mich einfach sehr. Ich bin gespannt auf das Niveau in der ersten Liga. Wir werden sicher Niederlagen kassieren, aber daraus müssen wir lernen. Und vielleicht ist ja die eine oder andere Überraschung drin.“   

  An welchen Baustellen muss noch gearbeitet werden?   
 Steuerwald: „Luft nach oben ist natürlich immer. Die Abstimmung von Zuspiel und Angriff greift zum Beispiel noch nicht immer gut. Grundsätzlich wird die Unerfahrenheit ein Manko bleiben, das sich aber auch nicht schnell lösen lassen wird. Unser Team muss einfach jeden Tag dazu lernen. Das braucht einen langen Atem.“   
 Pochop: „Dazu kommt, dass wir bislang noch keine Trainingseinheit hatten, in der alle anwesend waren. Schule, Ausbildung, Beruf, Familie, Studium und Volleyball müssen unter einen Hut gebracht werden.“   
Steuerwald: „Ich fürchte, dass das ein Problem bleiben wird. Wir sind eben keine Profis. Wir müssen das Beste draus machen. Aber jeder versucht, so oft es irgendwie geht zum Training zu erscheinen. Da zeichnet sich kein Schlendrian ab.“

Zeichnen sich Führungspersönlichkeiten ab?   
 Steuerwald: „Roy Friedrich und Ben Thom verfügen über viel Erfahrung, von ihnen können die Jungs sich vor allem im Training eine Menge abschauen. Auf dem Feld wird wohl viel Verantwortung auf den Schultern von Jonas Sagstetter liegen. Er verfügt über Erstligaerfahrung von den AlpenVolleys und Eltmann. Ansonsten muss man abwarten, wer in eine Führungsrolle hineinwachsen kann.“   

 Was wollen Sie diese Saison erreichen?   
 Steuerwald: „Wir wollen nur auf uns schauen und uns entwickeln. Wir wollen so gut spielen wie es unsere Möglichkeiten zulassen und die Zuschauer mit gutem, kämpferischem Spiel überzeugen. Wenn das Publikum sieht, dass die Jungs um jeden Punkt fighten, verzeihen sie auch Niederlagen. Diese werden ohne Zweifel kommen. Aber wir wollen die Konkurrenz ärgern. Wenn andere schwächeln, müssen wir da sein.“   

 Wie läuft die Aufteilung im Trainingsbetrieb zwischen Ihnen?   
 Steuerwald: „Die Trainingseinheiten leiten wir abwechselnd. Beim Spiel werde ich coachen, Stan assistiert.“   
 Wie gestaltet sich der Umstieg vom Profi zum Coach?   
 Pochop: „Ich bin ja schon länger an der Seitenlinie. Da ist die Umstellung schon lange her. Auch in der Arena in Unterhaching habe ich bereits höherklassig gecoacht. Kurz vor Weihnachten 2011 spielten wir mit Ceske Budejovice in der Champions League bei Generali Haching. Ich war damals Co-Trainer an der Seitenline. Leider verloren wir damals 2:3.“   
Steuerwald: „Die Umstellung ist schon gewaltig. Du hast keinen direkten Einfluss mehr aufs Feld. Auch die Organisation des Spiel- und Trainingsbetriebs ist natürlich aufwändig. Aber es macht viel Spaß und ich lerne täglich dazu.“    

Von welchen ihrer Coaches können oder möchten Sie sich etwas abgucken?    

Steuerwald: „Natürlich lernt man von den Erfahrungen, die man unter verschiedenen Coaches machen konnte. Aber ich will von niemandem etwas abkupfern. Man muss authentisch sein und sich selber treu bleiben. Sonst verliert man die Glaubwürdigkeit bei der Mannschaft.“    

Vielen Dank fürs Gespräch und viel Erfolg für die neue Spielzeit.    

Der Kader des TSV Unterhaching für die Saison 2020/21 umfasst 14 Spieler: Roy Friedrich (MB, 33 Jahre), Eric Paduretu (Z, 21), Leonard Graven (L, 16), Severin Brandt (Z, 16), Juro Petrusic (D, 17), Jonas Sagstetter (AA, 21), Niklas Brandt, (AA, 19), Fabian Suck (MB, 18), Paul Gehringer (MB, 19), George Alexandru Zahar (AA, 26), Benedikt Sagstetter (Z, 19), Simeon Topuzliev (AA, 20), Mohamed Chefai (L, 26), Benjamin Thom (MB, 37).    


Abgänge: Moritz Gärtner (SV Schwaig), Zied Chalghmi (TSV Mühldorf), Kris Korbankolev (TSV Friedberg), Valentin Blaginov (Union Volleyball Raiffeisen Waldviertel), Aleks Milovancevic (Karriereende), Alex Anzala-Yamajako, Daniel Müller.   

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Interview: Jochen Wessels    
Fotos: Edmund Zuber (links Stan Pochop, rechts Patrick Steuerwald)